Über uns



Steckbrief:

Name: Wera
Spitznamen: Pimpinella, Schnecke, Mäuschen, Hexe, Zicke, Stinker ;D
Geburtsjahr: 2012
Geburtsort: Brasov, Rumänien



Unsere Geschichte

Wera hatte es in ihrem bisherigen Leben leider nicht leicht. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie als Straßenhund in Rumänien, bis sie von einer Tierschutzorganisation nach Deutschland geholt wurde. Diejenigen von euch, die sich im Tierschutz engagieren oder das Thema Rumänien und Straßenhunde verfolgen, wissen vielleicht aus welchen schlimmen Verhältnissen Wera kommt. Total verängstigt und unsicher kam sie schließlich in ein Tierheim in Deutschland, wo wir uns schließlich begegneten.

Sie kannte nichts und war allem und jedem gegenüber äußerst misstrauisch, aber dennoch begegnete sie mir bei unserem ersten Zusammentreffen mit so viel Freude. Sie stand mir sofort „auf den Schultern“ (so groß ist sie zwar nicht, aber sinnbildlich gesprochen ;D) und wollte am liebsten in mich hineinkriechen. Sie war von Anfang an sehr verschmust und liebebedürftig. Ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen.

Trotzdem hat es über ein Jahr gedauert bis ich sie zu mir geholt habe. Ich engagiere mich schon sehr viele Jahre ehrenamtlich im Tierheim. Einen eigenen Hund konnte ich allerdings bis jetzt nie nehmen. Und so ging ich jeden Tag – tagein, tagaus – mit den Hunden in unserem örtlichen Tierheim spazieren. Ich habe sehr viele Hunde und Hundeschicksale kennengelernt und bin froh, sie alle getroffen zu haben. Sie haben mein Leben bereichert. Einige blieben länger, andere fanden schneller ein Zuhause. Aber ich bin froh, dass alle meine „Schützlinge“ gut vermittelt wurden. Natürlich baut man ein sehr inniges Verhältnis zu den Hunden auf, gerade mit jenen, die längere Zeit im Tierheim sitzen. Für die Hunde im Tierheim sind die täglichen Spaziergänge das Highlight ihres sonst eher tristen Alltags. Natürlich haben sie es hier in Deutschland im Tierheim wesentlich besser, als auf der Straße, aber dennoch sehnt sich jeder Tierheimhund nach einer eigenen Familie – seinem Rudel. Wenn dann die richtigen Menschen kommen und man seine Schützlinge gehen lassen muss, dann schaut man immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinterher. Aber im Grunde weiß man, dass es der Hund nun besser hat. Ein warmes Plätzchen und die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Menschen – nicht nur die 2 Stunden, die ich jeden Tag mit ihnen verbracht habe.

Auch heute gehe ich noch ins Tierheim, nicht täglich so wie früher, aber mehrmals in der Woche. Ich habe immer noch Hunde, um die ich mich kümmere, und die kann ich natürlich nicht hängen lassen, auch wenn ich jetzt einen eigenen Hund habe. Ich weiß ja schließlich, dass sie auf mich warten. Wera nehme ich immer mit - ihr macht es nichts aus für 2 Stunden dorthin zurückzukehren. Sie trifft dort ihre Hundekumpels, die leider noch kein zuhause gefunden haben, spielt mit ihnen und tauscht sich über den neusten Klatsch und Tratsch aus. Aber sie ist jedes Mal froh, wenn wir wieder bei uns Zuhause sind.

Ich begann mich um Wera zu kümmern, als mein damaliger Patenhund vermittelt wurde (er hat übrigens ein super tolles zuhause gefunden :D). Schnell wurden wir ein eingespieltes Team. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich allerdings heraus, dass sie keine Männer mag und auch vor Kindern hatte sie Angst, besonders wenn sie auf Rollern oder Fahrrädern unterwegs sind. Auch heute noch lässt sie sich von keinen Männern und Kindern anfassen und sie dürfen ihr auch nicht zu nahe kommen – und das macht sie auch sehr deutlich. Ich möchte gar nicht wissen, was sie mit Männern und Kindern verbindet, aber ich bin mir sicher, dass es keine schönen Erfahrungen waren, die sie so reagieren lassen. Ich habe mich schon um sehr viele „schwierige“ Felle gekümmert von daher war es für mich kein Problem mit Wera umzugehen. Allerdings war mir klar, dass ihr Verhalten ihre Vermittlungschancen nicht gerade positiv beeinflussen würden. Also begann ich mit ihr zu üben und sie an den Alltag zu gewöhnen.

Es hat sehr lange gedauert bis ich sie an alles herangeführt hatte. Sie weigerte sich in geschlossene Räume zu gehen, Autos hat sie nicht mal auf 15 Meter genähert und auch über Brücken wollte sie nie gehen, um nur einige Bespiele zu nennen. Es hat sehr viel Geduld gebraucht bis ich sie soweit hatte, dass sie diese Dinge als Selbstverständlichkeit betrachtet hat. Als ich sie das erste Mal mit in die Wohnung genommen habe, musste ich sie tragen (in den 1. Stock – man war das anstrengend!), damit sie gemerkt hat das da nichts lauert und das sie keine Angst zu haben braucht. Oben angekommen schaute sie die gesamte Zeit oben an die Decke – sie war es nicht gewohnt „ein Dach über dem Kopf“ zu haben. Auch ins Auto musste ich sie die ersten Male heben, bis sie gemerkt hat, dass sie sich nicht zu fürchten braucht. Und auch über Brücken schleppte ich sie am Anfang drüber. Die Autofahrer, die an uns vorbeigefahren sind, haben mich zwar ein wenig befremdlich angeschaut, aber was tut man nicht alles für seinen Vierbeiner. In dieser Zeit hatte ich viel Muskelkater in den Armen ;D Sie ist ja nicht gerade ein kleiner Hund, den man mal eben so durch die Gegend tragen kann. Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie sich extra schwer gemacht hat! Nach und nach und mit stetiger Wiederholung hat Wera dann gemerkt, dass Wohnungen gar nicht schlimm sind, genauso wenig wie Autos oder Brücken. Inzwischen liebt sie sogar das Autofahren ;D Allerdings gilt das nur für unser Auto und unsere Wohnung. In andere geschlossene Räume und Autos geht sie nur mit sehr viel Überwindung und Bestechung in Form ihrer Lieblingsleckerlies.

Wie kam es dann doch dazu, dass Wera bei uns eingezogen ist? Wie bereits oben erwähnt, baut man mit den Hunden im Tierheim ein sehr enges Verhältnis auf. Bei Wera war das allerdings sehr extrem und so habe ich das die ganzen Jahre, die ich im Tierheim laufe noch nie erlebt. Sie war sehr fixiert auf mich und weigerte sich bei anderen Leuten mitzugehen, wenn ich nicht mitgegangen bin. Sie wurde ganz hektisch, wenn ich einen anderen Weg ging, z.B. zum Mülleimer, um eine Kackitüte wegzuwerfen und sie einige Meter entfernt warten musste. Und wenn ich zurückkam schaute sie mich mit ihren großen, hellen Augen an, die zu sagen schienen „Lass mich nie wieder allein!“. Ihr seht, es ist äußerst schwierig, so etwas zu ignorieren.

Als ich dann anfing zu studieren und sich mein Zeitplan änderte – ich nämlich mir meine Zeiten in der Uni selber einteilen konnte - reifte in mir der Gedanke sie zu mir zu holen. Natürlich hätte ich meine vorigen Schützlinge auch gerne zu mir geholt, aber damals war das einfach nicht möglich. Und letztendlich hat jeder von ihnen ein gutes Zuhause gefunden.

Wera saß zu diesem Zeitpunkt schon 1 Jahr im Tierheim und natürlich wurde unsere Beziehung in dieser Zeit immer enger. Ich wollte, dass Wera das beste Zuhause bekommt. Aber es kam niemand, der wirklich zu ihr gepasst hätte. Und ich überlegte mir: „Was, wenn ich das Beste für sie bin?“ Nach langem - wirklich seeehr langem Überlegen – beschloss ich den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Bis heute habe ich es nicht bereut.

Wera ist der liebste Hund, den man sich nur vorstellen kann. In der Wohnung merkt man sie fast gar nicht. Die meiste Zeit schläft sie oder döst vor sich hin (es sei denn der Kühlschrank öffnet sich ;D). Sie war von Anfang an Stubenrein und schläft die Nacht durch. Sie klaut kein Essen vom Tisch oder bettelt um Essen und alleine bleibt sie auch, wenn ich sie mal nicht mitnehmen kann. Sie ist einfach nur froh, dass sie ein Zuhause hat und man merkt ihr an, wie dankbar sie ist.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Hunde ihre Menschen selber aussuchen.

Wie war das bei euch? Hattet ihr auch den Eindruck, dass sich eure Hunde euch ausgesucht haben?

Vielen Dank fürs Lesen!

1 Kommentar:

  1. Wunderbar. Es rührt mich zu lesen, wie Du Dich angagierst und wie Wera in Dein leben getreten ist...

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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